BERND BIERBAUM

Bernd Bierbaum

Bernd Bierbaum writes books, paints, enjoys photography, and travels professionally across the world. He lives in Cape Town, South Africa.

Latest: Searching for the aardvark. Based on my idea and story, a 45min documentary was recently broadcast on ARTE TV and ZDF in France and Germany.

Sie haben ein schönes Gesicht – ich möchte Sie malen. Begegnungen mit berühmten Liebespaaren. 2014 (In German / Auf Deutsch)

Die Stadt der Liebe, City of Love and Light, la Capitale d’Amour. La Capitale? - LE Capitale! Die französische Hauptstadt ist eine globale Ikone. Als fehlte den betörenden Parfums oder der eleganten Mode das gewisse Extra, wenn sie ohne Eiffelturm und ohne den Schriftzug "PARIS" verkauft würden. Doch die Sehenswürdigkeiten sind nur ein Teil der Anziehungskraft. Zwischen der Distanz und der Nähe, zwischen der Anonymität einer unergründlich großen Weltstadt und der Erfahrung einer menschlichen Beziehung, öffnet sich der Raum, in dem Paris seine Geschichten erzählt. Die meisten handeln von der Liebe.

Wie Paris zur Stadt der Liebe werden konnte, versucht die britische Schriftstellerin Nina Epton in ihrem Buch Love and the French herauszufinden. Frankreich befindet sich auf dem rechten Breitengrad der Liebe, erklärt sie und führt aus, dass es dort weder zu kalt noch zu heiß sei, um sich der Liebe hinzugeben. Einem Liebespaar drohe keine gefährliche Unterkühlung, noch störe übermäßige Hitze. Die Natur sei romantisch aufgrund der zwitschernden Vögel und ungefährlich durch den Mangel an lebensbedrohlichen Raubtieren oder Reptilien. Neben diesen klimatisch-zoologischen Erwägungen führt Epton aus, dass die sogenannte geographisch-sinnliche Lage von Bedeutung ist. So habe sich hier die leidenschaftliche und verträumte Liebesauffassung des Südens mit der sinnlichen Neugier und der Freizügigkeit des Nordens erfolgreich vermischen können. Henry Miller verfasste ähnliche Gedanken in einem Brief, den er an einem sonnigen Sonntagvormittag auf der Terrasse des Pariser Cafés Trois Portes schrieb:

„Natürlich hat Frankreich den Midi – er beginnt schon südlich der Loire. Nach meiner Betrachtungsweise der Dinge ist er die wahre Achse der Welt. Je mehr man über die großen Männer liest, desto mehr findet man, dass der entscheidende Wendepunkt in ihrem Leben jene Phase ist, in der sie den Süden in sich selbst entdecken und die andere Hemisphäre ihres Seins auszuleben beginnen. Wie ich es sehe, besteht jede Weisheit darin, diese beiden Seiten miteinander auszusöhnen. Die Verschmelzung des romantischen und des klassischen Geistes. In der nördlichen Welt Idealismus, Streben, Idee. Im Süden Leben um seiner selbst willen, Hedonismus, Aktion und Kontemplation, Ideen verbunden mit dem Leben.“

Überlegungen dieser Art, ob sie nun zutreffend sein mögen oder nicht, trugen dazu bei, dass Paris eine Metapher wurde: In dieser Weltstadt ist alles anders, im Leben genauso wie in der Liebe.

„Paris, zugleich eine Idee und eine Stadt, ist allgegenwärtig. Den Parisern gehört Paris und es gehört der ganzen Welt. Man kommt nicht davon los, auch wenn man gerne möchte; Paris ist Atemluft.“ (Victor Hugo). Alphonse Karr führt diesen Gedanken weiter: „Man ist Pariser, so wie man witzig ist oder gesund – ganz unbewusst. Ein echter Pariser liebt seine Stadt nicht, aber er kann nirgendwo sonst leben. Der Fisch freut sich nicht darüber im Wasser zu sein – aber wenn man ihn seines Elements beraubt, stirbt er. Ein Pariser flucht oft über seine Stadt, aber er kehrt ihr niemals für lange den Rücken.“

Vielleicht gilt Paris deshalb als Stadt der Liebe, weil die Menschen selbst den Mythos immer wieder neu zum Leben erwecken. Sie pilgern zu den Denkmälern der Liebe und lassen sich von den Liebesgeschichten verlocken, betören und verführen. Sie staunen über die Unaufdringlichkeit, mit der sich in Paris die Liebe offenbart. Sie gestehen ihrem Paris zu, dass es etwas selbstverliebt ist oder auch mal verschnupft. Sie ärgern sich über eine längere Migräne und wissen doch, dass diese nicht von Dauer ist. Vor allem hören sie nicht auf zu fragen, in welches Abenteuer sich Paris mit ihnen als nächstes einlassen wird.

Der geographische Rahmen ihrer Liaison ist vorgegeben. Es ist, als wäre ganz Paris bevölkert von Liebesgeschichten und Liebesszenen, die in Filmen, Chansons oder Gemälden Verwendung fanden. Wer sich in Paris aufhält, kann diesem Hintergrund kaum entkommen, aber er hat die Wahl, sich eine Rolle auszusuchen, als Statist, als Voyeur und vielleicht, pourquoi pas, sogar aktiv als Darsteller...

Bevor Sie sich für eine Rolle entscheiden, brauchen Sie eine Bühne. Der große Pariskenner Georg Stefan Troller hat dafür einen Vorschlag parat: „Das Schauspiel ist auf der Strasse.“ „Menschen vor Fassaden – wenn sie zusammenpassen, so gibt es in darauf abgestimmten Hirnen einen kleinen Stich, und man fühlt, dass man etwas erlebt hat, das echt ist.“ Über den Wahrheitsgehalt solcher Bonmots sinniert es sich am besten in einem Café, denn wo sonst findet sich im Trubel der Stadt die Muße, in der Geschäftigkeit der Überblick? Gleich ob man morgens frisch oder verkatert auf die Strasse tritt, nach einem langen Tag ermüdet ist, oder bereits Pläne für den Abend schmiedet – in einem Pariser Café reduziert sich die quirlige Großstadt mühelos aufs menschliche Format. „On s’installe“, sagen die Einheimischen, wenn sie sich in einem Café „niederlassen“, und meinen, dass sie nun bereit sind, auf unbestimmte Zeit die Geschwindigkeit des Alltags zu reduzieren. Dazu gehört, dass man Enge in Kauf nimmt und dass körperliche Geschmeidigkeit und Rücksicht gefragt sind, um an einen Tisch zu gelangen. Kippelt der etwa? „Pas de problème“, ruft der Kellner und bemüht sich bereits um die Balance. Et Voilá, der Tisch steht, „Bonjour, Madame, Monsieur, was darf es sein?“ „Ein Café Crème, eine Tartine, ein Petit Rouge?“

Alles weitere ergibt sich von selbst. Das rosafarbene Licht, das früh am Morgen über die Fassaden der Häuser wandert, während die Strassen von der Stadtreinigung gewaschen werden. Das Wasser, das gurgelnd die Rinnsteine entlang läuft, bevor es, von einem Lappen blockiert, in einem Loch verschwindet, um unter der Stadt weiter zu strömen. Der Kellner, der die Markisen je nach Tageszeit herauf- und herunterkurbelt, und währenddessen mit einem Bekannten ein paar Worte wechselt. Die Menschen, die sich neben Sie setzen, stundenlang lesen, Sie anreden, oder schweigen. Ist das Café „richtig“ ausgesucht, d.h. nach Lage, Klientel und Bedienung, und ist es gelungen, sich „niederzulassen“, wird sich der „Sinn“ von selbst erschließen, „der Stich in einem abgestimmten Hirn“. Kein Wunder, dass das Café den Parisern heilig ist. Vielleicht probieren Sie einmal aus, ob die Vermutung Trollers noch Gültigkeit hat, dass „die Pariser vor allem die Entdeckungsreisen ins eigene Ich suchen. Manchmal vermutet man, dass sie sich auf ein Liebesabenteuer nur einlassen, um ihre Grenzen abzuschreiten.“

Als Inspiration können jene Liebespaare dienen, die gemalt, in Stein gehauen oder fotografiert, eine Geschichte erzählen, die bis auf den heutigen Tag lebendig geblieben ist. Vielleicht gelingt es gar, ihnen das eine oder andere Geheimnis über die Liebe selbst zu entlocken? Wenn Sie also bereit sind, bitten Sie den Kellner um die „addition“ und kommen Sie mit, denn in Paris ist es gar nicht so schwierig, ein Rendezvous mit einem weltberühmten Liebespaar zu vereinbaren...
Buy onSie haben ein schönes Gesicht – ich möchte Sie malen. Begegnungen mit berühmten Liebespaaren. 2014 (In German / Auf Deutsch) on amazonSie haben ein schönes Gesicht – ich möchte Sie malen. Begegnungen mit berühmten Liebespaaren. 2014 (In German / Auf Deutsch) for KindleSie haben ein schönes Gesicht – ich möchte Sie malen. Begegnungen mit berühmten Liebespaaren. 2014 (In German / Auf Deutsch) on iTunes for iPhone or iPad